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KI-Kurs mit Bildungsgutschein

Junge Erwachsene unter 25 mit BG für KI-Kurs

· 8 Min. Lesezeit · Dr. Jens Aichinger
Junger Mensch am Schreibtisch mit Laptop und Notizbuch im Tageslicht

Junge Erwachsene unter 25 Jahren stehen beim Bildungsgutschein für eine KI-Weiterbildung in einem eigenen Förderrahmen. Die Agentur für Arbeit und das Jobcenter haben eigene U25-Beratungsteams, der Vermittlungsdruck ist höher und die Frage nach Berufsausbildung statt Weiterbildung kommt häufiger auf. Der Bildungsgutschein ist trotzdem nach § 81 SGB III möglich, wenn die Voraussetzungen vorliegen. Wer keine abgeschlossene Berufsausbildung hat, fällt formell unter “fehlender Berufsabschluss” und erhöht damit unter Umständen die Chancen auf Bewilligung.

Was dieser Ratgeber NICHT ist: Einzelfallberatung. Für deinen konkreten Fall ist der U25-Berater bei der Agentur für Arbeit oder im Jobcenter zuständig. Dieser Artikel beschreibt strukturelle Muster, keine Einzelpersonen.

Typische Ausgangslage

Ein häufiger Fall: jüngerer Erwachsener zwischen 18 und 24 Jahren, Schulabschluss vorhanden, aber entweder ohne abgeschlossene Berufsausbildung oder mit einer Ausbildung in einem Beruf, der wenig Zukunftsperspektive bietet. Dazu kommt oft eine Phase der Orientierung: abgebrochenes Studium, mehrere kurze Beschäftigungen, jobben statt fester Karriere.

Was mir Antragsteller in dieser Konstellation oft erzählen, läuft auf drei Themen hinaus. Den Wunsch nach einer Tätigkeit mit Zukunft, die nicht körperlich ist und nicht im Schichtdienst stattfindet. Die Sorge, ob das eigene Alter ein Hindernis sein könnte. Und Unsicherheit darüber, ob eine Weiterbildung in Vollzeit über vier Monate als ausreichend “ernsthaft” gilt für eine Förderung.

Welche strukturellen Hindernisse auftauchen

Vier Hindernisse sind in dieser Konstellation typisch:

  • Vermittlungsfokus statt Bildungsfokus. U25-Teams arbeiten in vielen Agenturen mit klarem Auftrag zur schnellen Arbeitsmarktintegration. Das ist gesetzlich angelegt. Eine längere Maßnahme passt nicht immer in das Standard-Schema.
  • Frage nach klassischer Berufsausbildung. Berater schlagen jüngeren Antragstellern oft eine duale Ausbildung vor, weil das die formal stärkste Qualifizierung ist. Das ist nicht falsch gemeint, es ignoriert nur, dass der Digitalisierungsmanager eine andere Zielgruppe und einen anderen Zeitrahmen bedient.
  • Eingeschränkte Lebenserfahrung als Argumentationspunkt. Manche Berater fragen, ob ein junger Erwachsener ohne Berufserfahrung eine Digitalisierungsrolle wirklich ausfüllen kann. Die Frage ist legitim und braucht eine sachliche Antwort.
  • Höhere Hürde bei Maßnahmenkosten. Bei jüngeren Antragstellern ohne lange Beitragszeiten ist das Argument “geringe Investition relativ zur künftigen Erwerbsbiografie” rechnerisch eigentlich besonders stark. In der Praxis muss das aber explizit benannt werden.

Der typische Lösungsweg

Ein häufiger Verlauf in dieser Konstellation zeigt drei Schritte.

Zielrolle konkret machen. Wer mit einer klaren Zielrolle ins Gespräch geht, etwa einer Position als Junior-Digitalisierungsbeauftragter in einem Mittelstandsbetrieb oder einer Einsteigerstelle in der Prozessdigitalisierung, nimmt dem Berater die Frage nach dem “Wofür” ab. Konkrete Stellenbeispiele aus der eigenen Region helfen.

Brücke zur eigenen Lernbereitschaft. Junge Erwachsene haben häufig den Vorteil, dass sie schnell in neue digitale Werkzeuge einsteigen. Wer das im Gespräch ruhig benennen kann, ohne Floskeln, schafft Vertrauen. Mehr im Artikel Selbstmotivation richtig formulieren.

Vergleich Weiterbildung gegenüber langer Ausbildung. Wenn der Berater eine duale Ausbildung vorschlägt, ist die sachliche Antwort: vier Monate Vollzeit beim Digitalisierungsmanager versus zweieinhalb bis drei Jahre duale Ausbildung. Beide Wege haben ihren Sinn. Der eine führt in einen anderen Bereich und in einen anderen Zeitrahmen.

Was strukturell oft hilft

Viele Antragsteller in dieser Konstellation berichten, dass drei Faktoren den Unterschied gemacht haben. Der Hinweis auf die Voraussetzung “fehlender Berufsabschluss” nach § 81 SGB III, die eine eigene Förderbegründung darstellt. Eine ruhige, unaufgeregte Argumentation, die das eigene Alter als Vorteil und nicht als Defizit darstellt. Und ein konkretes Beispiel, in welcher Branche und Rolle die Tätigkeit nach der Maßnahme stattfinden soll.

In der Beratungspraxis sehe ich, dass jüngere Antragsteller oft unterschätzen, wie stark ihre digitale Selbstverständlichkeit im Vergleich zu älteren Bewerbern ist. Das ist ein echtes Argument, kein Marketing-Stück. Wer es im Gespräch ruhig einsetzt, ohne arrogant zu wirken, kommt damit an.

Worauf besonders zu achten ist

Drei Punkte sind in dieser Konstellation strukturell wichtig:

  • Zuständigkeit klären. U25 wird in den meisten Agenturen in eigenen Teams beraten. Wer beim falschen Berater landet, verliert Zeit. Im Erstkontakt direkt nach dem U25-Team fragen.
  • Eltern und Wohnsituation. Bei Bezug von Bürgergeld in einer Bedarfsgemeinschaft mit den Eltern gelten besondere Regeln. Diese betreffen die Leistung, nicht die Bewilligung der Maßnahme an sich, sind aber im Gespräch oft Thema.
  • Realistische Selbsteinschätzung. Vier Monate Vollzeit, 720 Unterrichtseinheiten. Wer das im Gespräch ehrlich beurteilt und nicht beschönigt, baut Vertrauen.

Wann der Weg typischerweise nicht funktioniert

In der Praxis scheitern Anträge in dieser Konstellation selten am Alter, sondern an drei Punkten:

  • Es gibt keine erkennbare Zielrolle nach der Maßnahme.
  • Der Berater wurde nicht über vorhandene Lerngeschichten informiert (Selbstlerninitiativen, Schnupperkurse, eigene Projekte).
  • Die Anbieterwahl ist offen oder nicht AZAV-zertifiziert. Mehr in Wie du erkennst ob ein Anbieter AZAV-zertifiziert ist.

Wer sich strukturell auf diese Punkte vorbereitet, hat als U25-Antragsteller realistische Chancen. Ein Rechtsanspruch besteht nicht. Offizielle Informationen zum Bildungsgutschein findest du bei der Bundesagentur für Arbeit, der relevante Paragraph steht bei § 81 SGB III auf gesetze-im-internet.de.

Häufige Fragen

Brauche ich eine abgeschlossene Berufsausbildung, um einen Bildungsgutschein zu bekommen?

Nein. § 81 SGB III nennt unter anderem den fehlenden Berufsabschluss als eigenständige Förderbegründung. Wer keine abgeschlossene Berufsausbildung hat, ist damit förderwürdig im Sinne des Paragraphen. Die Entscheidung trifft der Berater nach Ermessen.

Werde ich als unter 25-Jähriger automatisch zur Ausbildung gedrängt?

Nicht automatisch, aber es ist die häufige Standard-Empfehlung im U25-Bereich. Wer einen Bildungsgutschein für eine Weiterbildung will, muss eine eigene plausible Begründung mitbringen, warum dieser Weg passender ist.

Kann ich den BG bekommen, wenn ich noch nie gearbeitet habe?

Ja. Berufserfahrung ist keine Voraussetzung für den Bildungsgutschein. Wichtig ist die Frage, ob die Maßnahme zur Verbesserung der Vermittlungschancen beiträgt. Ein Quereinstieg ohne Berufserfahrung ist möglich, aber argumentativ anspruchsvoller.

Wie lange dauert die Bearbeitung im U25-Bereich?

Typischerweise zwei bis sechs Wochen, regional unterschiedlich. Mehr im Artikel Bearbeitungsdauer Bildungsgutschein.

Gilt der BG auch im Jobcenter für U25-Antragsteller?

Ja. § 16 SGB II verweist auf die Förderinstrumente des SGB III. Die Beratung läuft im Jobcenter über das U25-Team. Mehr im Artikel Termin im Jobcenter.

Autor

Dr. Jens Aichinger, Gründer von SkillSprinters, DEKRA-zertifizierter Bildungsträger nach AZAV. Promovierter Naturwissenschaftler mit über zehn Jahren Erfahrung in Bildung und Digitalisierung. Berät Antragsteller im Gespräch vor dem Gespräch bei der Agentur für Arbeit.

Mehr über mich auf /über-den-autor/.

Zuletzt geprüft am 14. April 2026 von Dr. Jens Aichinger.

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