AZAV bei Präsenz-Kursen: was geprüft wird
Präsenz-Kurse müssen unter AZAV nachweisen, dass der Anbieter geeignete Räume, qualifizierte Lehrkräfte und ein klares Maßnahmenkonzept hat. Geprüft wird vom Auditor vor Ort, in der Regel im Erstaudit ausführlich und in den jährlichen Überwachungsaudits stichprobenartig. Die Anforderungen an die Strukturqualität sind dieselben wie bei Online-Kursen, nur die geprüften Punkte unterscheiden sich.
Was dieser Ratgeber NICHT ist: Einzelfallberatung. Für rechtliche Einzelfragen wende dich an einen Anwalt für Sozialrecht, den Sozialverband VdK oder die Caritas. Dieser Artikel ist allgemeine Information. Für deinen konkreten Fall ist dein Berater bei der Agentur für Arbeit oder im Jobcenter zuständig.
Was beim Erstaudit vor Ort geprüft wird
Der Auditor besucht den Anbieter in den Räumen, in denen die Maßnahme stattfinden soll. Geprüft werden mehrere Bereiche:
| Bereich | Kriterium |
|---|---|
| Schulungsräume | Größe angemessen für Gruppe, ausreichend Licht, Belüftung, Akustik |
| Technische Ausstattung | Beamer, Whiteboard, Internet, ggf. PCs für praktische Übungen |
| Barrierefreiheit | Bei größeren Anbietern Pflicht, bei kleineren als Soll-Anforderung |
| Aufenthaltsbereiche | Pausen-Zone, Sanitärräume, ggf. Verpflegungsmöglichkeit |
| Datenschutz | Sichere Aufbewahrung von Teilnehmerunterlagen |
| Lehrkräfte vor Ort | Stichprobenartiges Gespräch mit eingesetzten Lehrkräften |
Das Erstaudit dauert je nach Größe einen bis mehrere Tage. Bei Mängeln gibt es Auflagen mit Frist zur Nachbesserung.
Was bei den jährlichen Überwachungsaudits passiert
Beim Überwachungsaudit kommt der Auditor wieder vor Ort. Geprüft werden Veränderungen seit dem letzten Audit, Beschwerden, Kennzahlen und eine Stichprobe einer aktuell laufenden Maßnahme. Hat der Anbieter neue Räume hinzugemietet oder Räume ausgetauscht, werden auch diese kontrolliert.
Antragsteller schauen sich die Räume des Anbieters selten vor der Anmeldung an. Das ist verständlich, vor allem wenn die Anreise weit ist. Wer es kann, sollte aber ein Schnupper-Datum vereinbaren oder die Räume bei einer Informationsveranstaltung sehen. Schlechte Räume sind selten. Aber sie passieren.
Lehrkräfte im Präsenz-Format
AZAV verlangt, dass Lehrkräfte fachlich und pädagogisch qualifiziert sind. Geprüft wird das über Lehrkräfte-Akten mit Zeugnissen, Berufsabschlüssen und pädagogischer Qualifikation. Über Stichproben-Gespräche zwischen Auditor und Lehrkraft, vor allem im Erstaudit. Und über die Dokumentation der Einsätze, also welche Lehrkraft welchen Modul-Anteil unterrichtet hat.
Bei Präsenz-Kursen ist der Lehrkraft-Nachweis besonders wichtig, weil Teilnehmer im Raum direkt von der Person abhängen. Anbieter mit häufig wechselnden Honorarkräften ohne Bindung sind im Audit kritischer als Anbieter mit festen Lehrkräften.
Maßnahmenkonzept im Detail
Das Maßnahmenkonzept muss schriftlich vorliegen und im Audit eingesehen werden können. Es enthält die Lernziele (was kann der Teilnehmer am Ende, was er vorher nicht konnte), die Inhalte (welche Themen in welcher Reihenfolge), den Stundenplan (wie viele Stunden pro Woche, wie verteilt auf Theorie und Praxis), das Prüfungsformat (wie wird der Lernerfolg gemessen) und die Lehrkräfte-Zuordnung (wer unterrichtet welches Modul).
Das Konzept muss zur tatsächlich durchgeführten Maßnahme passen. Zeigt ein Anbieter im Audit ein anderes Konzept, als er später umsetzt, kann das die Maßnahmenzulassung kosten.
Präsenz vs Online aus AZAV-Sicht
Drei zentrale Unterschiede. Bei Präsenz wird der physische Raum geprüft, bei Online die digitale Lernplattform. Bei Präsenz unterschreiben Teilnehmer in der Anwesenheitsliste, bei Online wird Login und Aktivität technisch erfasst. Bei Präsenz ist die Lehrkraft automatisch im Raum erreichbar, bei Online muss der Anbieter aktiv sicherstellen, dass Teilnehmer Fragen loswerden können.
Beide Formate teilen sich dieselben Anforderungen an Strukturqualität, Vermittlungsorientierung, Maßnahmenkonzept und Dokumentation.
Mehr zu Online-Kursen im Artikel zu AZAV bei Online-Kursen und im Artikel zur AZAV-Prüfung.
Welches Format zu dir passt
AZAV macht keine Vorgaben, welches Format besser ist. Beides ist gleichwertig zugelassen. Die Entscheidung hängt von dir ab.
Präsenz lohnt sich, wenn du den Wechsel aus dem Home-Office willst, wenn du in einer festen Gruppe lernen willst und wenn der Anbieter in deiner Nähe gut erreichbar ist. Online lohnt sich, wenn du nicht in der Nähe eines guten Anbieters wohnst, wenn familiäre Verpflichtungen Pendeln schwer machen oder wenn du flexibel zwischen Lernort und Wohnort wechseln musst.
Beim Digitalisierungsmanager bei SkillSprinters läuft die Maßnahme komplett online mit täglichem Live-Unterricht. Das ist eine bewusste Entscheidung, weil die Zielgruppe oft nicht in räumlicher Nähe zu einem KI-Kursanbieter wohnt. Mehr im Pillar-Artikel zum Bildungsgutschein.
Worauf du bei Präsenz-Kursen achten solltest
Drei konkrete Fragen vor der Anmeldung. Wie groß ist die Lerngruppe maximal (konkrete Zahl, idealerweise unter 25)? Wer unterrichtet die einzelnen Module (Namen oder zumindest Qualifikationen der Lehrkräfte)? Kann ich die Räume im Vorfeld besichtigen (seriöse Anbieter sagen ja oder bieten eine Informationsveranstaltung an)?
Wer auf alle drei Fragen klare Antworten bekommt, hat einen guten Anbieter gefunden.
Mehr im Artikel zu Qualitätsfragen an den Anbieter.
Häufige Fragen
Sind Präsenz-Kurse besser als Online-Kurse?
Aus AZAV-Sicht sind beide gleichwertig zugelassen. Aus didaktischer Sicht hängt es vom Anbieter ab. Ein guter Online-Kurs kann besser sein als ein schlechter Präsenz-Kurs und umgekehrt.
Muss ich an einem Präsenz-Kurs in meiner Stadt teilnehmen?
Nein. Du kannst auch zu einem Anbieter in einer anderen Stadt fahren. Die Agentur für Arbeit prüft, ob die Anreise zumutbar ist. Manche Förderungen umfassen auch Fahrtkosten oder Unterkunft.
Was ist wenn der Anbieter die Räume während der Maßnahme wechselt?
Der Anbieter muss das der Zertifizierungsstelle melden. Neue Räume können stichprobenartig kontrolliert werden. Für dich als Teilnehmer sollte der Wechsel transparent kommuniziert werden, mit ausreichend Vorlauf.
Kann ein Präsenz-Kurs auch teilweise online stattfinden?
Ja, das nennt sich Hybrid-Format. Es muss im Maßnahmenkonzept klar beschrieben sein, welche Anteile online und welche in Präsenz stattfinden.
Wer prüft die Räume?
Der Auditor der Zertifizierungsstelle, in der Regel DEKRA oder TÜV. Im Erstaudit besucht er alle Räume, im Überwachungsaudit eine Stichprobe.
Autor
Dr. Jens Aichinger, Gründer von SkillSprinters, DEKRA-zertifizierter Bildungsträger nach AZAV. Promovierter Naturwissenschaftler mit über zehn Jahren Erfahrung in Bildung und Digitalisierung. Berät Antragsteller im Gespräch vor dem Gespräch bei der Agentur für Arbeit.
Mehr über mich auf /über-den-autor/.
Zuletzt geprüft am 14. April 2026 von Dr. Jens Aichinger.
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